Gaben sie ihm auf seine Worte keine Antwort

Der Antichrist Korihor machte gegenüber dem Hohepriester und dem obersten Richter viele Vorhaltungen: Sie würden das Volk unterdrücken (Alma 30:23); sie würden behaupten, dass Prophezeiungen aus alter Zeit wahr seien, obwohl sie das doch nicht wüssten (Alma 30:24); sie behaupten, das Volk sei wegen einem Vorfahren gefallen, obwohl ein Kind nicht wegen Übertretung der Eltern schuldig sein kann (Alma 30:25); Christus werde kommen, was nicht der Fall sein wird (Alma 30:26); Verführung des Volkes mit törichten Überlieferungen; die Geistlichen würden das Volk für sich arbeiten lassen (Alma 30:27); es gäbe Gott, den niemand gesehen habe (Alma 30:28). „Als nun der Hohepriester und der oberste Richter sahen, wie verhärtet sein Herz war, ja, als sie sahen, dass er selbst Gott schmähen würde, gaben sie ihm auf seine Worte keine Antwort, sondern sie ließen ihn binden; und sie übergaben ihn in die Hände der Beamten und sandten ihn ins Land Zarahemla, damit er vor Alma und den obersten Richter, der der Regierende über das ganze Land war, geführt werde.“ (Alma 30:29).

Gaben sie ihm auf seine Worte keine Antwort. Du kennst sicherlich den Ausspruch des römischen Redners und Staatsmanns Marcus Tullius Cicero (106 – 43 v. Chr.) aus einer seiner Reden um 63 v. Chr. gegen den Senator Lucius Sergius Catilina, in der es um die Aufdeckung, Verfolgung und Bestrafung der zweiten Catilinarischen Verschwörung, eines Umsturzversuchs Catilinas und seiner Anhänger, gegen die römische Republik ging: „Keine Antwort ist auch eine Antwort.“ Auf die Schriftstelle oben bezogen, leite ich daraus ab: Wenn ich davon ausgehen kann, dass mir bewusst falsche Vorhaltungen gemacht werden, halte ich es für besser, darauf gar nicht zu reagieren. Derjenige, der sie aufstellt, weiß meist selber ganz genau, dass sie unbegründet sind.

In bestimmten Situationen ist es einfach angebracht das Sprichwort „Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“ zu beherzigen, anstatt Unpassendes oder Überflüssiges im falschen Moment von sich zu geben. Auch wenn es einen noch so juckt, eine unbegründete Anschuldigung zurechtzurücken, kann Schweigen Unheil verhindern. Ich muss die Situation analysieren und entscheiden, ob es angemessen ist, durch eine Rechtfertigung oder Richtigstellung eine Eskalation herbeizuführen, die zu einem schlimmen Ende führen könnte. Von Paulus lerne ich: „Nehmt den an, der im Glauben schwach ist, ohne mit ihm über verschiedene Auffassungen zu streiten.“ (Römer 14:1). Ich gehe lieber einem Streit aus dem Wege und stecke zurück, als dass ich auf meinem vermeintlichen Recht bestehe. Ich denke bei mir in bestimmten Situationen das, was David zu Saul sagte: „Der Herr soll unser Richter sein und zwischen mir und dir entscheiden. Er blicke her, er soll meinen Rechtsstreit führen und mir dir gegenüber Recht verschaffen.“ (Samiel 24:16). Wie reagierst du, wenn dir jemand ungerechtfertigte Vorhaltungen macht?

Interpretation of Cicero speech in senate against Catiline. Fresco in Madam Palace by Maccari, César
(Bild: Quelle)

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